Geschichte der Pfarre St. Johannes Nepomuk

Von Helmut Stroot

Die katholische Gemeinde in Burgsteinfurt hat eine sehr bewegte und damit auch wohl etwas interessantere Geschichte als alle übrigen Pfarren in der näheren und weiteren Umgebung.

Das liegt vor allem darin begründet, dass die Freien Reichsgrafen zu Bentheim und Steinfurt sich um die Mitte des 16. Jahrhunderts der Reformation anschlossen und von ihren Untertanen, den Bürgern der Stadt Burgsteinfurt und der dazu gehörenden Bauernschaften, entsprechend der Regelung des Augsburger Religionsfriedens (cuius regio, eius religio) verlangten, auch zur so genannten ´Neuen Lehre´ überzutreten.

Mit diesem weit reichenden Schritt erstarb das katholische Leben in Burgsteinfurt fast völlig.

Lediglich in der >Johanniter-Kommende< an der Großen Kirche blieb aufgrund der politischen Immunität dieser Institution eine kleine, aber kaum noch überlebensfähige Zelle des Katholizismus erhalten. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) versuchte der für seine robusten Methoden geradezu berüchtigte Münsteraner Bischof Christoph Bernhard von Galen zwar durch eine Besetzung der Stadt  das Rad der Geschichte zurückzudrehen und Burgsteinfurt zu ´rekatholisieren´, aber der Versuch misslang völlig und brachte die Stadt über Jahrzehnte hin in eine für alle Beteiligten unannehmbare Situation. Das einzig positive Moment für die verbliebene kleine Gemeinde von Katholiken, die aus den Bewohnern der Kommende und den bischöflichen Besatzungssoldaten bestand, war die Durchsetzung einer simultanen Nutzung der Großen Kirche für beide Konfessionen.

Abhilfe wurde erst geschaffen im Jahre 1716 durch einen Vertrag zwischen dem Hochstift Münster und dem Grafenhaus Steinfurt.

So unausgewogen dieser >Vergleichsvertrag< auch gewesen sein mag, so  entscheidend war er doch für den Neuanfang einer von nun an selbstständigen katholischen Gemeinde in Burgsteinfurt. Er sah nämlich vor, dass auf städtischem Gelände, zwar außerhalb der Mauern, aber immerhin in unmittelbarer Nähe zum Stadt-Zentrum auf einem umfriedeten Grundstück an der Gemarkung Friedhof (= Freihof) eine katholische Pfarrkirche mit Pastorat, Küsterei, Schulhaus und Begräbnisstätte gebaut werden sollte. Als Gegenleistung versprach der Bischof den Abzug der münsterischen Truppen aus der Stadt und die Räumung der Großen Kirche nach der Fertigstellung der neuen Pfarrkirche. Lesen Sie >hier< einen Auszug aus dem Vertrag.

Das neue Nebeneinander der beiden Konfessionen war noch ungeübt und für viele weitere Jahre mit erheblichen Beschwernissen behaftet. Die reformierten Geistlichen konnten sich nur mühsam mit der neuen Situation abfinden. Man muss im Gegenzug allerdings auch annehmen, dass es ihnen die katholischen Amtsbrüder, zunächst noch Jesuiten, die sich in ihrem Selbstverständnis stets als ´Missionarii´ betrachteten, nicht eben leicht machten, sich mit der neuen Lage anzufreunden. Erst ganz allmählich wurden weniger kämpferische Töne angeschlagen, und in den konfessionellen Verhältnissen entwickelte sich eine gewisse Normalität, wenngleich diese auch bis ins 20. Jahrhundert immer noch von einem gedeihlichen Miteinander weit entfernt war.

Der Bau der Kirche 1721 - 1724

Nachdem Fürstbischof Clemens August am 21. August 1720 die Genehmigung zum Bau der katholischen Kirche in Burgsteinfurt erteilt hatte, wurden der rein klassizistisch-französich geschulte Baumeister Gottfried Laurenz Pictorius und dessen Bruder Peter Pictorius d. J. mit den Planungen beauftragt.

Am 26. August 1720 präsentierte G. L. Pictorius die Pläne dem Geheimen Rat in Münster, und 1721 wurde mit dem Bau der Kirche, der 1724 vollendet wurde, begonnen.

Ungewöhnlich für eine ländliche westfälische Pfarrkirche ist die verputzte, reich gegliederte barocke Ädikulafassade mit Giebelaufsatz, die dem Kirchenschiff anstelle eines Kirchturmes vorgeblendet wurde.

Die einachsige Fassade mit seitlich flankierenden Pilasterpaaren, Attikazone und geschweiftem Giebelaufsatz wird bestimmt durch Mauerschichtungen, gliedernde und rahmende Mauerstreifen sowie farblich abgesetzte Sandsteingesimse und Sandsteineinfassungen. Die Fassadenstruktur steht in der Nachfolge von Ordenskirchen in Paderborn und Coesfeld und darf als gegenreformatorisches Machtsymbol des Katholizismus in der Diaspora gelten.

Im Hinblick auf die Burgsteinfurter Pfarre ist bemerkenswert, dass die neue Kirche bei ihrer „Eröffnung“ 1724 wohl noch nicht Johannes Nepomuk geweiht werden konnte, da dessen Heiligsprechung erst fünf Jahre später erfolgte und eine Weihe gewissermaßen ´im Vorgriff´ auf eine zu erwartende Kanonisierung nicht möglich war.

Bemerkenswert und bezeichnend ist allerdings auch, dass man sich überhaupt für Johannes Nepomuk als Patron der neuen Kirche entschied.

St. Johannes Nepomuk

Johannes Nepomuk genoss zu der Zeit, vor allem aber bei den Jesuiten große Verehrung, und die Jesuiten waren nun mal die Träger der gegenreformatorischen Bestrebungen der Kirche im deutschen Raum. Vor diesem Hintergrund und den lokalgeschichtlichen Gegebenheiten war somit das Patrozinium des hl. Johannes Nepomuk für die neue katholische Kirche in Burgsteinfurt nicht nur das Ergebnis einer Vorliebe für einen bestimmten Heiligen, sondern es hatte auch zweifellos eine deutlich programmatische Bedeutung: es war ein Nachhall der Gegenreformation.

Der Erweiterungsbau von 1883 – 1885

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts war die Zahl der katholischen Gemeindemitglieder so gewachsen (eine amtl. Zählung wies im Dezember 1880 1601 Katholiken aus), dass der Kirchenraum nicht mehr ausreichte.

Daher wandte man sich an die Königliche Regierung in Münster mit dem Antrag, die Kirche zu vergrößern. Dem Antrag wurde entsprochen, und so erfolgte in den Jahren 1883 bis 1885 unter Pfarrer Uppenkamp ein Erweiterungsbau.

Nach den Plänen des Diözesanbaumeisters Hilger Hertel d. Ä. aus Münster wurde an die Südseite der alten Kirche ein Querschiff mit Apsis und zwei Sakristeien angebaut, und so entstand an Stelle der früheren Hallenkirche eine Kreuzkirche. Auch stilistisch trat eine starke Veränderung ein. Von der ursprünglichen Barockkirche blieb nur die Nordfassade als barockes Element erhalten. Der übrige Baukörper wie auch die Innenausstattung wurden dem Zeitgeschmack entsprechend im Stile der Neuromanik bzw. -gotik gestaltet.
Im Laufe der Jahrzehnte wurden dann bei Renovierungen, vor allem nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, weitere wesentliche und tief greifende Änderungen des Innenraumes vorgenommen, denen hier im Einzelnen nicht nachgegangen werden kann.

Die letzte Renovierung wurde im Jahre 2011 von Dechant Dördelmann unter weitgehender Berücksichtigung der Wünsche und Vorstellungen der Gemeinde vorgenommen.

Die Bilder vermitteln einen guten Eindruck von dieser gelungenen baulichen Maßnahme.

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