Die Fleiter Orgel in der St.-Nikomedes-Kirche in Borghorst

"Orgeln überdauern Jahrhunderte" war vor ein paar Jahrzehnten mal ein griffiger Slogan der Orgelbauer-Zunft. Und in der Tat: wer auch nur einen oberflächlichen Blick etwa auf die westfälische Orgellandschaft wirft, findet diesen Spruch durchaus bestätigt. Kein Problem, eine ganze Reihe wertvoller alter Instrumente in unserer Region aufzuzählen, die Tag für Tag ihren Dienst tun, und das schon zum Teil seit Jahrhunderten. Der entscheidende Punkt: Man muss ihnen eine echte Chance zum Überdauern geben!

Foto: M. Wallmeyer

Und schon sind wir bei der Orgel in der St.-Nikomedes-Kirche in Borghorst, einem Instrument aus dem Jahre 1927. Zugegeben: das ist noch lange kein biblisches Orgel-Alter. Eher ist das Werk aus der münsterschen Orgelbauwerkstatt Friedrich Fleiter als „in den besten Jahren“ zu bezeichnen. Es hat die Jahrhunderte also erst noch vor sich. Voraussetzung: man muss ihr eine echte Chance dazu geben – siehe oben! Aber weshalb?

Ganz einfach: weil die Orgel in St. Nikomedes auf einzigartige Weise einen unbedingt schützens- und erhaltenswerten Orgel-Typus repräsentiert: den der deutsch-romantischen Orgel in ihrer Spätphase. Dieser Typus ist geprägt von einem durch und durch orchestralen Klangcharakter – in völligem Kontrast etwa zu solchen Instrumenten, die man ganz spontan mit dem Begriff „Orgel“ assoziiert, nämlich denen der Barockzeit, wunderbar geeignet, etwa die silberhellen Orgelwerke Johann Sebastian Bachs darzustellen. Die deutsch-romantische Orgel indes hatte ganz andere Ideale. Und Komponisten wie Max Reger oder zuvor auch schon Franz Liszt schrieben diesen Instrumenten ihre Musik sozusagen „auf den Leib“. Großangelegte Fantasien, symphonische Klanglandschaften – und dafür brauchte es halt auch symphonische, klanglich ganz orchestral angelegte Instrumente. Wie das in St. Nikomedes.

Foto: P. Timmerhues

Es ist aus orgeldenkmalpflegerischer Sicht ein überaus großer Glücksfall, dass es dieses Instrument überhaupt noch gibt! Denn der deutsch-romantischen Orgel à la Borghorst wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs ein geradezu tödliches „Etikett“ aufgeklebt. Denn das bis dahin gerade noch gültige Ideal der symphonischen Orgel wurde aufgegeben zugunsten einer intensiven Wiederbelebung der Barockorgel. Durchaus nachvollziehbar, aber mit verheerenden Folgen. Viele dieser romantisch ausgerichteten Instrumente waren auf einmal „unmodern“. Da ist es völlig richtig, wenn behauptet wird, dass nicht die Bomben des Zweiten Weltkriegs die meisten Schätze dieser Orgel-Romantik vernichtet haben – sondern die Generation jener, die im Anschluss daran das barocke Klangideal neu propagierten.

In St. Nikomedes gab es weder Bomben gegen die Orgel, noch der aktuellen Nachkriegs-Mode hinterher laufenden Menschen. Ein Glücksfall! So blieb ein Instrument erhalten, das weit und breit seinesgleichen sucht. Jetzt gilt es, diesen Schatz zu pflegen, ihm zu einer neuen Jugend zu verhelfen – damit auch er die Jahrhunderte überdauert!

Text: Christoph Schulte-im-Walde

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Richtigstellung

„Der in der St. Nikomedes-Pfarrbrief-Ausgabe Weihnachten 2010 vom 28.11.2010 wiedergegebene Artikel „Die romantische Orgel unserer Pfarrkirche (o.ä.)“ ist versehentlich ohne Quelle und ohne Namen des Autors in verkürzter Form wiedergegeben worden.

Dieser Artikel stammt von dem in Borghorst lebenden Autor Wolfgang Lindner und der Originaltitel des Aufsatzes lautet: „Die Fleiter-Orgel in Steinfurt-Borghorst, ihre Kapselladen und ihre Klarinette“, veröffentlicht in der Zeitschrift Ars Organi * 58.Jhg. * Heft 2 * Juni 2010, p.92 ff.

Wir bedauern dieses Versehen und bitten den Autor um Entschuldigung.

gez.

Pfr. Heinrich Wernsmann, für den Kirchenvorstand“
Markus Lehnert, Kantor

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