Historische Stiftsbiliothek

Die Bibliothek des ehemaligen Kanonissen- und Damenstiftes Borghorst befindet sich heute im Heinrich Neuy Bauhausmuseum

Stiftsbibliothek.
Stiftsbibliothek.

Die Bibliothek der Pfarrgemeinde St. Nikomedes in Borghorst beherbergt Buchbestände des 1811 aufgehobenen Kanonissen- und Damenstiftes Borghorst, die durch zum Teil umfangreiche Sammlungen Borghorster Geistlicher vermehrt wurden. Die meisten Bände sind theologische Schriften und liegen in lateinischer und deutscher Sprache vor, darunter viele als Übersetzungen aus dem Französischen und Italienischen. Daneben sind historische und philosophische Werke sowie klassische Philologie vertreten.

Die Bibliothek umfasst 764 Titel mit insgesamt 1147 Bänden, davon über 950 Bände älterer Literatur. Ein Titel stammt aus dem 15. Jahrhundert, 82 Titel aus dem 16. Jahrhundert. Die meisten Bücher sind aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Unter den dogmatischen Schriften ragen einige bedeutende Werke aus dem Bereich der Kontroverstheologie heraus. Von Josse Clichtove († 1543), einem der bedeutendsten französischen Theologen der frühen Neuzeit, befinden sich in Borghorst die gegen Luther und seine Anhänger gerichteten Schriften De veneratione sanctorum (Köln 1525), Antilutherus (Köln 1525) und Propugnaculum ecclesiae adversus Lutheranos (Köln 1526).

Von dem um Vermittlung zwischen den Religionsparteien bemühten Theologen Georg Witzel († 1573) liegen der Catechismus maior (Köln 1556) und die beiden in deutscher Sprache verfaßten Bände der Ettliche[n] Bücher ... zur notwendigen Erbawung und Besserung unsers alten heiligen Christenthums (Köln 1559 und 1562) vor.

Protestantisches Schrifttum von bemerkenswerter Qualität

Stiftsbibliothek.

Das hier angesammelte protestantische Schrifttum ist zwar sehr spärlich, dafür aber von bemerkenswerter Qualität wie etwa Loci communes theologici (Basel 1550), das Erstlingswerk von Philipp Melanchthon († 1560). Aus der Feder des führenden Reformators der Schweiz Johannes Oekolampad († 1531) stammen zwei Ausgaben einer protestantischen Interpretation der Evangelienauslegung (Basel 1524 und Köln 1528) des bedeutenden byzantinischen Theologen und Erzbischofs von Achrida, Theophylaktos († um 1108). Die recht kleine Sammlung der Kirchenväter und -lehrer besticht durch das Alter der Editionen. Von den 32 Titeln erschienen 21 im 16. und ein Titel im 15. Jahrhundert. Bei dem letzteren handelt es sich um zwei Bände der Opera (Basel 1492) von Ambrosius von Mailand († 397). Von Augustinus († 430) liegen zwei aus dem 16. Jahrhundert stammende Titel vor: eine Ausgabe der Sermones (Lyon 1571) und eine weitere seines Kommentars zu den Psalmen (Paris 1543). Außerdem besitzt die Bibliothek zwei Bände der Predigten (Köln: Martin Gymnich, 1541) von dem Mönch Beda Venerabilis († 735).

Daneben besitzt sie einige Werke von Johannes Chrysostomus († 407), so etwa eine Edition seiner Opera (Venedig 1503), Kommentare zu den Evangelien von Matthäus (Paris 1545), Markus und Lukas (Paris 1545) sowie Predigten zum Buch Genesis (Basel 1523). Theophylaktos von Achrida ist neben den zwei oben erwähnten Ausgaben mit seinen Erklärungen zum Corpus Paulinum (Köln 1528) und mit einer weiteren Edition seines Kommentars zu den Evangelien (Basel 1554) vertreten.

Gleich drei bedeutende Werke von Gregor I. († 604) sind Bestandteil der Bibliothek. Es handelt sich um seine Evangelienhomilien (Paris 1508), Predigten zum Hohelied (Paris 1509), Pastoralis curae liber (Paris 1512), eine Schrift über die Aufgaben des Weltklerus, sowie Homilien zu Ezechiel (Paris 1512). Wertvoll ist eine Edition von De moribus Orationes (Frankfurt 1598) aus der Feder des Erzbischofs von Caesarea, Basilius († 379).

Bereich der Exegese

Stiftsbibliothek.

Aus dem Bereich der Exegese fällt ein aus dem 12. Jahrhundert stammender Kommentar zu den Paulusbriefen auf, der 1539 in Köln unter dem Namen des Bischofs Heimo von Halberstadt gedruckt wurde. Zu dem zweifellos wertvollen exegetischen Schrifttum zählen die Annotationes ... uber Luthers New Testament (Köln 1528), mit denen der Theologe Hieronymus Emser (†1527) eine kritische Antwort auf die Übersetzung des Neuen Testamentes durch Luther lieferte. Aus dem umfangreichen Werk Georg Witzels gehören der Bibliothek seine Annotationes in sacras litteras (Köln 1557).

Aus der Fülle der Predigten können nur die wertvollsten Erwähnung finden, so die Libelli (Straßburg 1508) Gregors von Nazianz († 390), die Sermones (Straßburg 1509) des syrischen Gelehrten und asketischen Lehrers, Ephraem Syrus († 373), die Sermones zu unterschiedlichen Anlässen des Kirchenjahres (Paris 1515) von Leo I., dem Großen († 461) Evangelicae veritatis homiliae (Köln 1532), das homiletische Hauptwerk des Bischofs von Wien, Friedrich Nausea († 1552).

Aus dem Erbauungsschrifttum heben sich die Opera (Antwerpen 1574) des Thomas Hermeken, besser bekannt als Thomas von Kempen († 1471) heraus. Unter den katechetischen Werken finden sich u.a. eine Edition des deutschen Catechismus (Mainz 1557) von dem Merseburger Bischof Michael Helding († 1561) sowie zwei Ausgaben der Summa doctrinae christianae (Antwerpen 1560 und Köln 1586) von dem Jesuiten und Kirchenlehrer Petrus Canisius († 1597).

Stiftsbibliothek.

Einige bedeutende Titel weist der Bereich des Kirchenrechts auf. Wissenschaftlern und Interessierten stehen u.a. mehrere kanonistische Traktate aus den Jahren 1548 bis 1550 von dem Juristen und Kontroverstheologen Konrad Braun († 1563) zur Verfügung. Weitere Schmuckstücke gehören dem Bereich der Kirchen- und Profangeschichte an, so etwa die Erstausgabe von Epithomae rerum Germanicarum (Straßburg 1505), eines der historischen Hauptwerke von Jacob Wimpfeling († 1528).

Von dem großen Humanisten Erasmus von Rotterdam († 1536) beherbergt die Bibliothek eine Ausgabe der Adagia, einer Sammlung griechischer und lateinischer Sprichwörter, Redensarten und Rätselsprüche mit einem Kommentar (Augsburg 1510).                                     (Text: Ursula Olschewski)

Mehr Informationen:



Heute befindet sich die Stiftsbibliothek im Heinrich Neuy Bauhausmuseum am Kirchplatz.

Das ehemalige Stiftskurienhaus aus dem Jahre 1668 beherbergt neben der Stiftsbiliothek auch die  Arbeiten von Heinrich Neuy und anderen Bauhausschülern sowie Bauhauslehrern in Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen.

Das Museum fühlt sich der Gestaltungslehre des Bauhauses verpflichtet. Gezeigt werden daher Entwürfe und Arbeiten aus den Bereichen Kunst, Design und Architektur. Ergänzend werden Vorträge und Seminare angeboten.

Darüber hinaus wird über die Geschichte des 968 gegründeten Stiftes berichtet, der Urzelle des Ortes Borghorst.

Suche Suche starten

Einrichtungsleitung

gesucht

Vollzeitstelle mit
39 Wochenstunden  Lesen Sie mehr

Der neue

Pfarreirat

Neue Mitglieder im
Pfarreirat

Lesen sie mehr

Halbzeit Talente-Aktion

"Mach' was draus!"

Gut gestartet, aber
Ende offen

Lesen Sie mehr